CASE STUDY

Ablers Entsendung

Übung

Alexandra's Geschichte

Übung in Breakout-Räumen Gesamtdauer: 25 Minuten Danach: 15 Minuten Plenum
Hinweis für die Bearbeitung:
Die Geschichte enthält bewusst mehrere moralische Konflikte. Es geht nicht darum, sofort die „richtige“ Antwort zu finden, sondern sichtbar zu machen, nach welchen Werten, Annahmen und Maßstäben du bewertest. Achtet in der Diskussion darauf, Handlungen zu bewerten, ohne Personen in eurer Gruppe abzuwerten. Niemand muss persönliche Erfahrungen teilen.
 

 

Alexandras Geschichte – Flucht nach Deutschland

Alexandra und Jaime leben in einem Land, das seit Monaten vom Krieg erschüttert wird. Die Lage wird immer gefährlicher: Straßen werden kontrolliert, Städte bombardiert, Lebensmittel werden knapp, immer mehr Menschen fliehen.

Jaime entscheidet sich, zuerst nach Deutschland zu gehen. Er will dort ankommen, eine Unterkunft finden und klären, wie Alexandra sicher nachkommen kann. Für beide ist klar: Jaime geht als Vorhut. Alexandra soll folgen, sobald es möglich ist.

Der Abschied fällt beiden schwer. Jaime verspricht, alles zu tun, um sie nachzuholen. Alexandra vertraut ihm. Sie liebt ihn und hofft, bald wieder bei ihm zu sein.

Einige Wochen später spitzt sich die Lage dramatisch zu. Viele Fluchtrouten sind geschlossen, die Grenzen werden stärker kontrolliert. Alexandra weiß: Wenn sie jetzt nicht geht, könnte es zu spät sein.

Sie hört von Simbad. Früher hat er Menschen über die Grenze gebracht, doch inzwischen macht er das nicht mehr. Es ist zu gefährlich geworden. Die Kontrollen sind zu eng, die Strafen zu hart. Wer erwischt wird, riskiert sein Leben.

Alexandra bittet Simbad, sie über die Grenze zu bringen. Simbad lehnt zunächst ab. Er sagt, dass es eigentlich nicht mehr möglich sei. Nur in dieser einen Nacht gäbe es vielleicht noch eine letzte Chance. Danach sei der Weg endgültig geschlossen. Für niemand anderen würde er dieses Risiko eingehen.

Doch Simbad ist seit langer Zeit in Alexandra verliebt. Deshalb ist er bereit, noch einmal alles zu riskieren. Er sagt ihr, dass er sie über die Grenze bringen könne. Aber nur unter einer Bedingung: Alexandra muss mit ihm schlafen.

Alexandra ist entsetzt. Sie fühlt sich unter Druck gesetzt, ausgeliefert und gedemütigt.

Gleichzeitig weiß sie, wie wichtig Jaime Treue ist. Für ihn ist Treue ein zentraler Wert. Alexandra weiß, dass sie ihn mit dieser Handlung tief verletzen würde. Vielleicht würde er nur sehen, dass sie mit einem anderen Mann geschlafen hat – und nicht, in welcher Notlage sie war.

Auf der anderen Seite steht ihre Angst. Die Lage im Kriegsgebiet wird immer gefährlicher. Simbad scheint ihre letzte Chance zu sein. Alexandra will überleben. Und sie will zu Jaime, weil sie ihn liebt und mit ihm in Deutschland ein neues Leben beginnen möchte.

Sie ist hin- und hergerissen: Lehnt sie Simbads Forderung ab, bleibt sie vielleicht im Kriegsgebiet zurück. Nimmt sie sie an, verletzt sie vielleicht genau den Menschen, zu dem sie fliehen will.

In ihrer Verzweiflung bittet sie ihre Mutter um Rat. Die Mutter hört sich alles an, sagt aber, sie wolle sich nicht in Alexandras Privatangelegenheiten einmischen. Alexandra müsse selbst entscheiden.

Alexandra fühlt sich allein gelassen. Am Ende gibt sie Simbads Forderung nach. Nicht, weil sie es will. Sondern weil sie Angst hat, zurückzubleiben, weil sie überleben will und weil sie zu Jaime möchte.

Simbad bringt sie in dieser Nacht über die Grenze.

Nach einer langen Flucht kommt Alexandra bei Jaime in Deutschland an. Jaime ist überglücklich, sie wiederzusehen. Auch Alexandra ist erleichtert. Für einige Wochen scheint alles gut zu werden. Sie kommen langsam an und bauen sich vorsichtig ein neues Leben auf.

Doch Alexandra verschweigt Jaime, was mit Simbad geschehen ist. Sie hat Angst vor seiner Reaktion. Sie weiß, wie wichtig ihm Treue ist, und fürchtet, dass er nur den Verrat sieht – nicht ihre Angst und Ausweglosigkeit.

Vier Wochen lang trägt Alexandra dieses Geheimnis mit sich herum. Je mehr Ruhe in ihr neues Leben kommt, desto stärker wird ihr schlechtes Gewissen. Sie möchte ehrlich sein, sich von der inneren Last befreien und hofft, dass Jaime ihre Situation versteht.

Also erzählt sie ihm alles.

Jaime reagiert entsetzt. Er sieht nicht zuerst Alexandras Notlage. Für ihn steht der Treuebruch im Mittelpunkt. Er fühlt sich verletzt, betrogen und gedemütigt. In seiner Wut weist er Alexandra ab und jagt sie auf sehr verletzende Weise von sich weg.

Alexandra ist am Boden zerstört. Sie hatte gehofft, Jaime würde zumindest versuchen, sie zu verstehen. Stattdessen verliert sie den Menschen, zu dem sie geflohen ist.

Einige Zeit später lernt Alexandra Nagesh kennen. Er hört ihr zu, gibt ihr Halt und verurteilt sie nicht. Aus der Nähe zwischen beiden entsteht langsam eine Beziehung. Alexandra und Nagesh werden ein Paar.

Als Alexandra Nagesh später die ganze Geschichte erzählt – von Simbads Forderung, ihrer Flucht, ihrem Schweigen, Jaimes Reaktion und der Trennung –, wird Nagesh wütend. Besonders Jaimes Verhalten macht ihn rasend. Er kann nicht ertragen, dass Jaime Alexandra in ihrer Not verurteilt und weggestoßen hat.

Nagesh sucht Jaime auf und schlägt ihn nieder.

Als Alexandra davon erfährt, beginnt sie zu lächeln. Für einen Moment fühlt es sich für sie so an, als hätte Jaime seine gerechte Strafe bekommen.

Aufgabe im Breakout-Raum

Gesamtdauer: 25 Minuten
  • 3 Minuten: Kurzes Kennenlernen: Name + ein Führungswert, der dir wichtig ist.
  • 5 Minuten: Jede Person erstellt still eine individuelle Reihenfolge.
  • 15 Minuten: Entwickelt gemeinsam eine Gruppenreihenfolge mit Vetorecht.
  • 2 Minuten: Formuliert eine gemeinsame Gruppenregel.

Aufgabe 1: Individuelle Bewertung

Bringe die fünf Personen in eine Reihenfolge: Wer hat sich aus deiner Sicht ethisch-moralisch am besten verhalten? Wer am schlechtesten?

Rang Person
1.  
2.  
3.  
4.  
5.  

Bewertete Personen: Alexandra, Jaime, Simbad, Alexandras Mutter, Nagesh

 

Orientierungsfragen

  • Welche Person trägt aus deiner Sicht die größte moralische Verantwortung?
  • Welche Person hatte die größte Wahlfreiheit?
  • Welche Person stand am stärksten unter Druck?
  • Wie schwer wiegen Notlage, Treue, Ehrlichkeit, Ausnutzung, Schweigen und Gewalt?
  • Bewertest du stärker Absicht, Handlung, Folgen oder Kontext?
  • Wo beginnt für dich Schuld? Wo beginnt Verantwortung?

 

Aufgabe 2: Gruppenbewertung

Tauscht euch in der Gruppe über eure individuellen Reihenfolgen aus. Entwickelt anschließend eine gemeinsame Gruppenreihenfolge. Jede Person hat ein Vetorecht.

Vetorecht:
Niemand muss einer Reihenfolge zustimmen, die er oder sie moralisch nicht vertreten kann. Wer ein Veto einlegt, begründet es mit einem Wert oder Maßstab.

 

 

Aufgabe 3 (optional): Gemeinsame Gruppenregel

Formuliert eine gemeinsame Regel, nach der ihr bewertet habt.

  • „Für uns wiegt moralisch besonders schwer, wenn …“
  • „Wir bewerten eine Handlung milder, wenn …“
  • „Verantwortung entsteht für uns dort, wo …“
  • „Eine Notlage entschuldigt für uns …, aber nicht …“
 
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Dauer: 30 - 120 min

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